Intelligente Stromzähler sind sinnvoll, aber… – Wirtschaft

Strom kommt natürlich aus der Steckdose. Aber wie kommt er dorthin? Ein Mix aus Strom aus verschiedenen Quellen – fossilen und erneuerbaren Energiequellen – wird durch große Übertragungsleitungen geleitet und erreicht schließlich den Endverbraucher über regionale Verteilnetze. Einige dieser Endverbraucher produzieren aber auch selbst Strom, beispielsweise mit Photovoltaikanlagen, betreiben Wärmepumpen und fahren Elektroautos, die viel Strom benötigen. Strom dann zu liefern, wenn er gebraucht wird, wird immer schwieriger.

Smart Meter sollen dieses Problem lösen. Deshalb will die Regierung nun die Einführung dieser neuen intelligenten Stromzähler beschleunigen. Die Kästchen im Zählerkasten ersetzen nicht nur alte Zähler durch digitale Anzeigen mit ihren Drehskalen und mechanischen Anzeigen. Für bestimmte Verbraucher sind sie auch mit einem weiteren kleinen Gerät ausgestattet, das eine Verbindung zum Internet herstellt. Damit wissen sowohl der Kunde als auch der Netzbetreiber, wie viel Strom an diesem Zähler aktuell geliefert oder verbraucht wird.

Clever, aber zunächst ohne Mehrwert für den Kunden

Für Kunden bringen Smart Meter jedoch zunächst keinen großen Mehrwert. Dies wird sich erst ändern, wenn Kunden ab 2026 Zugang zu variablen Stromtarifen haben. Dann können sie zum Beispiel ihr E-Auto laden, wenn der Strom weniger kostet, manchmal sogar nichts (bei Netzüberkapazitäten). Auch Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen und Geschirrspüler können von variablen Tarifen profitieren.

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Allerdings benötigt die Zählerbox ein weiteres Gerät, die sogenannte Steuerbox, mit der sich die Ladestation in der Garage oder die Waschmaschine im Keller regeln lassen. Oder ein Smart Home zum Beispiel, das von der österreichischen Firma Loxone angeboten wird. „Es wäre zum Beispiel ganz intelligent, E-Herd und Waschmaschine nicht gleichzeitig anzuschalten, sondern Verbraucher intelligent zu nutzen“, sagt Firmenchef Rüdiger Keinberger. In Oberösterreich, wo das Unternehmen ansässig ist, verfügen bereits alle Haushalte über einen Smart Meter. Loxone muss lediglich die Daten des Smart Meters auslesen, um die Geräte im Haus entsprechend zu steuern.

Von einem solchen Entwicklungsstand sind wir in Deutschland noch sehr weit entfernt. Haushalte, die weniger als 6.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr verbrauchen, bekommen gar keinen Smart Meter, sondern ein sogenanntes modernes Messgerät, das nur das kann, was die alten Zähler konnten. Der Verbrauch muss weiterhin manuell ausgelesen und gemeldet werden. Nur wer mehr als 6.000 Kilowattstunden verbraucht oder mit einer Photovoltaikanlage arbeitet, eine Wärmepumpe oder eine Wallbox zum Laden von Elektroautos besitzt, bekommt irgendwann einen der Zähler mit Internetanschluss.

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Elektrisches Trio

Hierfür ist der Betreiber der Messstelle verantwortlich. Er ist einer der drei an der Stromversorgung beteiligten Parteien. Der zweite ist der Netzbetreiber. Sie ist zuständig für die physikalischen Leitungen, die den Strom ins Haus bringen. Der Dritte ist der Stromversorger. Du bezahlst seine Stromrechnung. Dazu gehört in der Regel auch das Stromnetzentgelt, das Anbieter und Netzbetreiber untereinander abrechnen. Sie können den Messstellenbetreiber und den Stromanbieter wechseln, aber nicht den Netzbetreiber.

Netzbetreiber sind auch die Einzigen, die den Überblick über ihr Netz haben und somit die Strommenge in ihren Netzen gezielt steuern können. Hier kann ein Problem mit der Stabilität der Stromversorgung auftreten. Der Verband Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE), der unter anderem Standards für die Stromversorgung setzt, warnt vor Problemen für das Stromnetz, wenn die Regierung an Plänen festhält, Zählerbetreibern Einfluss auf das Management zu geben. von regionalen Stromnetzen, den sogenannten Verteilnetzen, zugeben.

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Behalten Sie den Überblick

„Das wäre so, als würden verschiedene Institutionen Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der Autobahn festlegen“, sagt VDE-Mess- und Digitalisierungsexperte Frank Borchardt. Problem: Die verschiedenen Messstellenbetreiber wussten nichts voneinander. So kann es passieren, dass der eine mehr Strom auf die Leitung bringen will, der andere aber das Gegenteil tut. Oder dass generell zu wenig Leistung zur Verfügung steht. „Überblick über das gesamte Verteilnetz haben nur die Netzbetreiber“, sagt Borchardt.

Wären die Messstellenbetreiber beteiligt, könnten die Netzbetreiber oft erst in letzter Sekunde handeln, um beispielsweise Stromausfälle zu verhindern. “Es wäre besser, proaktiv einzugreifen.” Das würde laut dem VDE-Experten den Bau neuer Stromleitungen einsparen, weil die bestehenden intelligenter genutzt werden könnten. Das ist notwendig, weil es in Zukunft mehr Wärmepumpen und E-Autos – also große Stromverbraucher – geben wird. Bis sich intelligente Stromzähler und Hausgerätesteuerungen durchsetzen, wird es aber noch einige Zeit dauern. Es soll nicht vor 2030 fertig sein.

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