Als in der Bundesrepublik Deutschland das Feuer frei wurde

Es gibt viele Dinge, die früher wichtiger waren als heute. Streitwagen gehören dazu, Lumpen, Schläfen, Steigbügel, Schlafköpfe. Aber auch Streichhölzer.

ein Menschentraum

Ein Feuer relativ einfach wieder entfachen zu können, ist schon lange ein menschlicher Traum, allerdings im Gegensatz zu anderen Träumen, wie etwa dem Fliegen, die im Alltag sehr wichtig sind. Mach das Licht an? Ohne offenes Feuer ging das bis vor 100 Jahren nicht. Können vier Wände warm werden? Kochen? Backen? Kochen? Wach auf?

Bis ins 19. Jahrhundert waren die in der Steinzeit gebräuchlichsten Feuerarten Feuerstein, Feuerstahl, Pilztinte etc. – oder Kohle, die gelagert und sogar transportiert wurde.

Zu brennbar, zu giftig

Die noch heute weit verbreiteten Streichhölzer waren während der Industriellen Revolution ihre eigene kleine Revolution im Karton. Dort waren sie ziemlich schnell ausverkauft. Die darauf befindliche Reibfläche ermöglichte zunächst ein bequemes und sicheres Zünden, das brennbare Gemisch bildete sich erst, wenn die Stoffe auf der Reibfläche und dem Zündkopf in mechanischen Kontakt kamen.

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Fast wie gehabt: Retro-Streichholzschachtel, Preis 6,90 Euro.
Fast wie gehabt: Retro-Streichholzschachtel, Preis 6,90 Euro.
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Früher war das anders: Frühzündhölzer waren oft so leicht entzündlich, dass sie als Gefahrgut eingestuft werden mussten. Zudem war weißer Phosphor lange Zeit akut und chronisch hochgiftig. Insbesondere machte es den Arbeitern, die die Streichhölzer herstellten, übel. So krank, dass wir hier nicht extra darüber schreiben wollen. Durch ihn waren Streichhölzer auch beliebte Hilfsmittel bei Morden und Selbstmorden.

Jedenfalls erkannten die Finanzbehörden früh, dass das Land mit diesem immer wieder benötigten Heizgerät ordentliches Geld verdienen konnte. Die Folge waren Sondersteuern auf Brandgüter sowie staatlich verordnete Produktionsmonopole. Auch in Deutschland.

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Reibfläche und Zündkopf.
Reibfläche und Zündkopf.
© Lino Mirgeler/dpa

Die DDR hatte die imperialistische Regulierung seit 1950 maximal ignoriert. In der Bundesrepublik Deutschland hingegen fiel dieses Monopol erst viel später. Das Gesetz trat kurz vor einer weiteren großen Liberalisierung in Kraft – der Einführung des kommerziellen Fernsehens ein Jahr später – heute vor 40 Jahren, am 16. Januar 1983. Es war aus dem Krisenjahr 1930. Damals war es an einen schwedischen Hersteller gegangen, der im Gegenzug heute günstige Kredite im Wert von rund zwei Milliarden Euro vergab. Monopoly wirkt bis heute nach. „Swedish Match“, der Nachfolger der Firma Svenska Tändsticks, die sich damals in vielen anderen Ländern Monopole sicherte, ist bis heute einer der weltweit größten Hersteller von Streichhölzern.

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Streichhölzer werden heute viel weniger verwendet als zu ihrer Blütezeit, aufgrund des billigen Feuerzeugs, der einfach anzuschaltenden Heizung, des Elektroherds. Usw. Aber auch nach den Monopolen blieb das Matchmaking ein sehr profitables Geschäft, auch weil es einen riesigen Markt außerhalb der Tabakläden gab. Denn Schachteln waren jahrzehntelang eines der wichtigsten Werbemittel: günstig, praktisch und mit viel besserem Platz für die Werbebotschaft als beispielsweise ein Kugelschreiber.

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